Bedingungsloses Grundeinkommen - ein weiterer Schritt zur Beschleunigung des sozialen Wandels?

Mit der Einführung des Autos konnte man in Stunden Dinge erledigen, für die man sonst Tage gebraucht hätte. So war es auf einmal möglich an einem Tag einen Ausflug zu einem Park zu unternehmen, sich mit Freunden zu treffen und abends ins Theater zu gehen. Das Auto eröffnete zudem weitere neue Möglichkeiten. Man konnte eine neue Stelle annehmen ohne gleich umziehen zu müssen.  

Das Leben wurde schneller und unbeständiger. Bald kam es zu neuer Zeitnot, neue Straßen wurden gebaut und mit dem Internet kann man heute vielfach auf das Reisen ganz verzichten. Und schon wieder klagt man über die Emailflut...

Die Einführung eines unbedingten Grundeinkommens, so bemessen, ein sorgenfreies wenn auch bescheidenes Leben zu führen,  könnte diesen sich selbst verstärkenden Kreislauf aus technischer Beschleunigung und gesteigertem Tempo des gesellschaftlichen Wandels durchbrechen. Allerdings ist Beschleunigung, so Hartmut Rosa in seinem gleichnamigen Buch, der Motor der Moderne. Der Drang nach Geschwindigkeit ist so groß, dass die Beschleunigungsgesellschaft sich ihre Institutionen schafft, um Gegenbewegungen zu integrieren. Die soziale Marktwirtschaft pufferte Verwerfungen im Zuge der Industrialisierung ab und verhalf der weiteren Beschleunigung zum Siegeszug.

Letzten Endes könnte also auch das unbedingte Grundeinkommen eine weitere Institution sein, mit der die Beschleunigungsgesellschaft Widerstände gegen die  Steigerung des Tempo des gesellschaftlichen Wandels überwindet. Und das Grundeinkommen könnte somit zu einem weiteren Motor der Beschleunigung werden. (Damit soll aber hier kein Plädoyer gegen die Einführung des unbedingten Grundeinkommens gemeint sein!) 

 

Fische

Woher kommt aber dieser Drang zur Beschleunigung? Rosa macht den Ursprung dieser Entwicklung in der Säkularisierung aus. Mit dem Wegfall transzendenter Heilsversprechen wird der Tod zum finalen Schlusspunkt und die Angst, in ihrem Leben etwas versäumt zu haben, ergreift von den Menschen Besitz. So streben sie danach, in ihrer endlichen Lebensspanne möglichst viel von dem auszukosten, was die Welt zu bieten hat und möglichst viele ihrer Potentiale und Fähigkeiten zur Entfaltung zu bringen.

Der Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens könnte ein ähnlicher Mechanismus inne wohnen. Denn ein Grundeinkommen könnte ja einen Zwang aufbauen, neue Dinge wie zum Beispiel eine Karriere als Künstler oder eine Selbstständigkeit auszuprobieren. Die Rechtfertigung, man könne in wirtschaftliche Not fallen, wäre keine valide Rechtfertigung mehr. 

Foto ©Eva Brandecker

trieb Zwischenspiele - Performance zu den Kunstpunkten 21. August 2010

21. August 2010 - Kompromisslosigkeit war die Klammer, die Musik, Kunst und Lyrik verband.

Uwe Juchum's Spiel schon zum Beginn der Performance, eruptiv und wild, zerriss jeden Gesprächsfaden und zog die Aufmerksamkeit auf das Geschehen.

(download)

Fotos: Götz Weidenmüller / Wolfgang Wegener

Die Kunstperformance von entschiedener Schlichtheit. Die Triebwurzel und die Form der Hüllen legten zwar eine sinnliche Interpretation nahe, jedoch wurde diese dadurch kontrastiert, dass die Objekte in Schwarz-Weiß gehalten waren. Desgleichen waren Helga Weidenmüller's Bewegungen beim Aufstecken und Abnehmen der Hüllen von sachlicher Eleganz, ohne jede Andeutung.

An einer Stelle im Text hieß es: "Gewalt ist Energie, wie der Schaffensdrang, wie das Begehren." Einige meiner erotischen Gedichte kamen mit ihrer Engführung von Leidenschaft und Gewalt in diesem Rahmen voll zur Geltung: Kompromisslose Sinnlichkeit.