Den Smartphones sei dank
Vorbei die Zeiten, in denen man mit gepflegtem Halbwissen brillieren konnte. Die Gefahr aufzufliegen war recht klein, denn wer wollte es überprüfen? Wer machte sich schon die Mühe, ein Lexikon zu Rate zu ziehen oder gar eine Universitätsbibliothek aufzusuchen? Vielleicht, wenn man dem Redeschwinger die bewundernden Blicke der Frauen nicht gönnte. Aber wer dann später seine Recherche-Ergebnisse präsentierte, wurde schnell "Du bist ja so kleinkariert!" abgewehrt wie ein lästiges Insekt und zu geistiger Großzügigkeit ermahnt.
Aber heutzutage? Vorbei die schönen Zeiten! Gerade hatte man wieder einen hervorragenden Beitrag geleistet und die Unterhaltung in Schwung gebracht, da fährt ein Finger über das Display eines Smartphones - warum feuchten die den Finger eigentlich nicht an? - und hebt sich keck in die Höhe: "Moment mal! Hier steht aber....." und niemand sagt "kleingeistig oder ähnliches". Anscheinend ist die Ehrfurcht vor dem Wissen, das aus den Sphären gesogen wurde, noch viel zu groß. Bis sich das ändert, wenn es überhaupt dazu kommt, hilft nur noch eines:
Der geordnete Rückzug. Nicht etwa auf politische Meinungen. Sie sind zwar per se einer Überprüfung nicht zugänglich aber um zu wirken müssen sie kontrovers sein und das ist gefährlich, denn sie kleben an einem. Also schweigt man in der Runde und wartet auf die Gelegenheit im vertrauten Zwiegespräch:
Ich mag deine Augen. Und ... ach ja Sie wissen schon.

