Prag - Sprachlosigkeit und aus dem Nest gefallene Vögel

1. und 2. Mai 2010 - Die Hinweisschilder sind in tschechisch gehalten. Mit Deutsch obwohl einst Lingua Franca kommt man nicht viel weiter und Englisch ist kaum verbreitet. Eine ungewohnte Sprachlosigkeit - verstörend und spannend zugleich. 

Der Kellner im Café Central freut sich allerdings seine Deutschkenntnisse anzubringen. Überhaupt die Cafés alleine sind schon die Reise wert. Oft klein und versteckt in der ersten Etage eines unscheinbaren Geschäftshauses oder hinter einer prächtigen Fensterfront über einem der schönen Plätze.

Über die Karlsbrücke auf die Kleinseite. Zwei tote Vogeljunge - nur Haut und Knochen noch keine Federn - unter den Auslagen eines Schmuckgeschäfts. Der Prager Fenstersturz kommt mir in den Sinn.

Ein kleiner Tisch vor einem Imbiss. Café Jan Neruda steht auf der Glastür. Er soll hier mit Künstlern und Literaten nächtelang diskutiert haben.

Trauben von Souvenirjägern vor den Läden mit Andenken. Paare fotografieren sich gegenseitig. Ein Schauer lässt den Touristenstrom abebben. Eine wunderbare Stille. Nun sieht man die Unebenheiten und Sprünge auf dem Kopfsteinpflaster, das hübsch im Regen glänzt.

Das Abendessen in einem französischen Restaurant. Durch ein geöffnetes Fenster neben mir blicke ich auf einen kleinen Kanal. Ein Boot mit einem Liebespaar gleitet vorbei, fast wie in Venedig. Nur ohne Gondoliere.

Im Hotel ist ein Taubstummenkongress. Ich sitze an der Bar inmitten einer Menge gestikulierender Menschen. Sprachlos.

Lesung mit dem Cantamé-Quartett in Nürnberg

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16. und 17. April 2010 -  Es beginnt mit Musik, Summa von Arvo Pärt. Man müsste schon ein Stein sein, um von dieser schwebenden Melodie nicht berührt zu werden, vor allem wenn Cello und Viola mit ihrem dunklen Timbre einsetzen.

(download)

Die letzten Töne verklingen, die Musikerinnen legen die Noten ab, richten das Blatt für das nächste Stück auf dem Notenständer. Das Rascheln setzt aus und in die Stille beginne ich zu sprechen. Die Spannung, die von der Musik noch im Raum schwebt, verleiht meinen Gedichten eine besondere Farbigkeit.  Und meine Worte wirken nach, reichen in das nächste Stück hinein. Text und Musik verweben sich zu etwas Neuem.

Am zweiten Abend ist eine Gruppe Lernbehinderter zu Gast. Sie lachen, wenn ich von Schokoladentrüffeln spreche. Sie folgen mir genau und sprechen das Wort "Regen" am Ende eines Gedichtes reihum den Tisch nach.  

Fotos ©Eva Brandecker