Prag - Sprachlosigkeit und aus dem Nest gefallene Vögel

1. und 2. Mai 2010 - Die Hinweisschilder sind in tschechisch gehalten. Mit Deutsch obwohl einst Lingua Franca kommt man nicht viel weiter und Englisch ist kaum verbreitet. Eine ungewohnte Sprachlosigkeit - verstörend und spannend zugleich. 

Der Kellner im Café Central freut sich allerdings seine Deutschkenntnisse anzubringen. Überhaupt die Cafés alleine sind schon die Reise wert. Oft klein und versteckt in der ersten Etage eines unscheinbaren Geschäftshauses oder hinter einer prächtigen Fensterfront über einem der schönen Plätze.

Über die Karlsbrücke auf die Kleinseite. Zwei tote Vogeljunge - nur Haut und Knochen noch keine Federn - unter den Auslagen eines Schmuckgeschäfts. Der Prager Fenstersturz kommt mir in den Sinn.

Ein kleiner Tisch vor einem Imbiss. Café Jan Neruda steht auf der Glastür. Er soll hier mit Künstlern und Literaten nächtelang diskutiert haben.

Trauben von Souvenirjägern vor den Läden mit Andenken. Paare fotografieren sich gegenseitig. Ein Schauer lässt den Touristenstrom abebben. Eine wunderbare Stille. Nun sieht man die Unebenheiten und Sprünge auf dem Kopfsteinpflaster, das hübsch im Regen glänzt.

Das Abendessen in einem französischen Restaurant. Durch ein geöffnetes Fenster neben mir blicke ich auf einen kleinen Kanal. Ein Boot mit einem Liebespaar gleitet vorbei, fast wie in Venedig. Nur ohne Gondoliere.

Im Hotel ist ein Taubstummenkongress. Ich sitze an der Bar inmitten einer Menge gestikulierender Menschen. Sprachlos.